Die russische Volksmedizin

 

Die außergewöhnliche Kraft der Natur nutzt der Mensch schon seit jeher für Heilung und Wohlbefinden.

Schon die frühesten Menschen kannten offensichtlich Heil- und Giftpflanzen, Mineralien und tierische Stoffe, die sie zur Bekämpfung ihrer Krankheiten verwendeten. Von den Neandertalern ist bekannt, dass sie Pflanzen wie Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Greiskräuter, Meerträubel, Eibisch, Malven- und Liliengewächse nutzten, die wir heute noch kennen und deren Inhaltsstoffe oft die Grundlage moderner Medikamente bilden. Im weiteren Verlauf der menschlichen Entwicklung wurden die Methoden und Instrumente der Heilkunde ständig weiterentwickelt und verbessert.

Aus dieser langen Tradition ist auch die russische Volksmedizin hervorgegangen. Die alten russischen Volksheilerinnen und -heiler hatten bereits eine große Sammlung an Heilmitteln und verwendeten bis zu tausend pflanzliche, tierische und mineralische Komponenten. Daraus wurden Medikamente wie Aufgüsse, Sude, Tinkturen, Pulver und Salben bereitet. Das Sammeln der Pflanzen erfolgte zu bestimmten Tagen und Stunden, wobei auch der Zeitpunkt der Blüte, die Mondphasen, der Sonnenstand und viele weitere Punkte berücksichtigt wurden. Auch magische Praktiken und die Einflussnahme auf die Psyche des Kranken waren und sind ein fester Bestandteil dieser Heilpraxis.

Bei den Heilmitteln der russischen Volksmedizin, beispielsweise Tinkturen, Sude oder Aufgüsse, werden immer bestimmte Prinzipien beachtet. Oft werden dafür die verschiedensten heilenden Wirkstoffe kombiniert. Der Sinn besteht darin, dass die verwendeten Heilmittel nicht mit den Symptomen einer Krankheit arbeiten sollen, sondern sie sollen die Ursache der Krankheit entfernen. In diesem Zusammenhang sollen sie auch dem Organismus helfen, sein eigenes Programm zur selbständigen Wiederherstellung der Gesundheit wieder aufzunehmen. Diese Ausrichtung in der Herangehensweise an die Behandlung einer Krankheit ist einer der Hauptunterschiede dieser traditionellen Medizin gegenüber den Heilmitteln der modernen Schulmedizin. Dabei geht der Prozess der Genesung oft zwar etwas langsamer, aber die Krankheit wird vollständig geheilt.

Erste schriftliche Überlieferungen zu dieser traditionellen Medizin datieren aus der Zeit der Kiewer Rus im elften Jahrhundert. Sehr beliebt waren bei den volkstümlichen Heilerinnen und Heilern Medikamente aus Pflanzen wie Salbei, Brennnesseln, Spitzwegerich, Rosmarin, Lindenblüten, Birkenblätter, Rinde von Esche und Wacholder sowie Zwiebeln, Knoblauch, Meerrettich, Birkensaft und viele andere. Jedoch auch Medikamente tierischen (wie Honig, Lebertran, rohe Stutenmilch oder Hirschgeweih) und mineralischen (wie Pulver aus Beryll oder Schmuck aus Rubin) Ursprungs hatten ihren festen Platz.

Heute umfasst die russische Volksmedizin ein komplexes System von Kenntnissen und Praktiken, die für Diagnose, Verhütung und Beseitigung von Störungen im physischen und psychischen Gleichgewicht verwendet werden. Die dabei verwendeten Methoden beruhen ausschließlich auf Erfahrung und Beobachtung und werden von Generation zu Generation, sowohl mündlich als auch schriftlich, weitergegeben. Diese “Medizin” dient also nicht nur der Behandlung, sondern auch der Vorbeugung von Krankheiten durch Hygiene und eine gesunde Lebensweise. Dabei unterstützt sie den Menschen über seinen gesamten Lebenszyklus – von der Geburt bis zum Tod.

Bei sachgemäßer Herstellung und Anwendung entstehen durch Heilmittel der russischen Volksmedizin keine Nebenwirkungen. Im Gegensatz zu Medikamenten auf chemischer Grundlage, haben die pflanzlichen Präparate viele pharmakologische Vorteile: sie enthalten keine Zusatzstoffe wie künstliche Aromen und Konservierungsstoffe, machen nicht abhängig, erfordern keine spezifischen Kenntnisse für die Herstellung der heilenden Mixturen und vor allem verbessern sie die Arbeit des Immunsystems und helfen dadurch dem Körper in seiner Gesamtheit, mit der Krankheit oder dem kosmetischen Problem fertigzuwerden.

Natürlich finden Sie auf dieser Webseite noch etwas mehr. Wenn Sie etwas Zeit mitgebracht haben, dann blättern Sie ruhig ein wenig.

Neben einer Vorstellung der Bücher “Russische Volksmedizin“ (2011) und ”Die gesunde und schöne Frau“ (2012), etwas zu meiner Familientradition, Beiträgen über die russische Geschichte und Kultur, Tipps und Empfehlungen für die alternative Behandlung von Krankheiten, finden Sie auch noch viele andere Informationen.

Die russische Volksmedizin kann für jeden, insbesondere auch für die Frau, ein Schlüssel zu Gesundheit, Langlebigkeit und Schönheit sein, der sanft und ganzheitlich längst verschlossen geglaubte Türen zu öffnen vermag.

 

Ihre Natalja Aleksandrowna Nowikowa