Heil-Ziest (Stachys officinalis) – eine alte Heilpflanze

Heil-Ziest (Stachys officinalis/Betonica officinalis)

Heil-Ziest, Ziest, Heilpflanze

Heil-Ziest (Stachys officinalis/Betonica officinalis)

ist in Europa weit verbreitet und einzelne Vorkommen gibt es auch in Westasien und Nordafrika. Die Heilpflanze wächst auf Moorwiesen, mageren Bergwiesen, in Heidelandschaften und in Laub-Mischwäldern. Sie bevorzugt wärmere Standorte auf feuchten, basenreichen und oft kalkarmen Böden.

Geschichte

Heil-Ziest, auch als Betonica bezeichnet, ist eine sehr alte Heilpflanze. Wahrscheinlich war sie bereits in der griechischen Antike bekannt. Darauf hinweisende schriftliche Überlieferungen sind jedoch nicht zweifelsfrei. Im Mittelalter wird der Heil-Ziest im deutschsprachigen Raum in vielen Schriften erwähnt und beschrieben, so auch in den Kräuterbüchern der Äbtissin Hildegard von Bingen. Noch Anfang des vorigen Jahrhunderts fehlte der Heil-Ziest in keinem Haushalt, geriet dann jedoch zunehmend in Vergessenheit und wird heute kaum noch für Heilzwecke verwendet. In der evidenzbasierten Medizin fand der Heil-Ziest bisher keinerlei Beachtung.

Inhaltsstoffe

Zu den Inhaltsstoffen der Heil-Ziest gehören Gerbstoffe, Bitterstoffe, Betonicin, Stachydrin, Turicin, Saponine und Flavonoide.

Anwendung in der Volksmedizin

In der Volksmedizin wird der Heil-Ziest unter anderem bei Sodbrennen, Fallsucht, Asthma, Rheuma, Gelbsucht, Wassersucht, Verschleimung, Durchfall, Ohrenschmerzen, Verstopfung, Vergiftung, Gicht, Arthritis, Keuchhusten, Blasenleiden, Nierenleiden, Bluthochdruck und Nervenschwäche verwendet, ebenfalls äußerlich bei Wunden, Abszessen, Fußpilz, Krampfadern und Hautkrebs.
Dafür werden von der Pflanze im Juni/Juli die Blätter, Blüten und Wurzeln gesammelt und meist getrocknet. Die Pflanzenteile können jedoch auch frisch verwendet werden.
Aus den getrockneten Blättern wird gewöhnlich Tee zubereitet, der für die Behandlung der verschiedensten Erkrankungen innerlich und äußerlich angewendet wird. Ein Tee aus frischer Wurzel wirkt als Abführmittel und aus getrockneter Wurzel als Brechmittel.

R E Z E P T E
Aufguss von Heil-Ziest

Übergießen Sie 1 TL getrocknete Blätter der Heil-Ziest mit 250 ml kochendem Wasser und lassen den Aufguss mindestens 15 Minuten stehen.

Der Aufguss kann innerlich oder äußerlich angewendet werden. Er eignet sich zum Spülen oder zum Trinken bei Durchfall, anderen Magen-Darm-Erkrankungen sowie weiteren Erkrankungen.
Für die innerliche Anwendung empfiehlt die Volksmedizin 1 bis 3-mal täglich 125 ml zu trinken.
Manchmal wird der Aufguss der Heil-Ziest auch für den erstmaligen reichlichen Auswurf von Schleim und bei Asthma verordnet. Auch wurde er früher für die Behandlung von Gicht und Rheuma verwendet.

Aufguss von Heil-Ziest bei Ischialgie

Auch bei einer Ischialgie (Ischias) kann der Heil-Ziest nützlich sein, denn er lindert die Beschwerden.

Dazu übergießen Sie abends 2 EL getrocknete Blätter der Heil-Ziest in einer Thermoskanne mit 0,5 l kochendem Wasser, verschließen die Kanne fest und sieben den Aufguss morgens durch.

Davon trinken Sie 4-mal täglich 100 ml 30 Minuten vor dem Essen.