Kathedrale Newjansk Altarraum Kiewer Rus

Die Kiewer Rus – der älteste ostslawische Staat

Kiewer Rus

Der älteste ostslawische Staat in der Geschichte war die Kiewer Rus. Er entstand in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts.
Zu dieser Zeit bestanden in Russland frühe feudale Verhältnisse. Die alten slawischen Städte Kiew, Smolensk, Polozk, Tschernigow, Pskow und Nowgorod hatten sich zu den wichtigsten Zentren für Handel und Gewerbe im alten Russland entwickelt. Diese Handelsplätze waren seine wichtigste Verbindung nach Skandinavien und Byzanz.

Ein sehr wichtiges Ereignis in der russischen Geschichte war die Annahme des Christentums als Staatsreligion im Jahre 988 durch den Großfürsten Wladimir (978-1015). Wladimir war von 980 bis 1015 Fürst von Kiew. Dieser politische Akt war kein zufälliges Ereignis, denn mit der Entstehung von sozialer Ungleichheit und Klassenbildung wurden die objektiven historischen Voraussetzungen für den Ersatz von heidnischem Polytheismus und Monotheismus geschaffen, die bis dahin in der alten russischen Gesellschaft vorherrschend waren.
Das Christentum war in Russland seit Anfang des 9. Jahrhunderts bekannt. Einige Vorfahren von Fürst Wladimir, wie Fürst Igor (er regierte von 912 bis 945), nach ihm seine Frau Olga (945-969), waren bereits Christen gewesen. In seiner Regierungszeit besuchte Fürst Igor Konstantinopel und ließ sich dort taufen.
Mit der Annahme des Christentums als Staatsreligion war Großfürst Wladimir damit der erste christliche Herrscher in Russland.
Von großer Bedeutung für die Verbreitung der Ideen des Christentums in der Kiewer Rus waren seine langjährigen Beziehungen mit Bulgarien. Daraus resultierten Einflüsse auf Kultur und Literatur, insbesondere durch religiöse Literatur. Zum Ende des 9. Jahrhunderts war die Kiewer Rus eng mit der byzantinischen Wirtschaft und der christlichen Kultur verbunden.

Die Annahme des Christentums führte zu wichtigen politischen Konsequenzen in der Kiewer Rus. Es trug zur Stärkung des Feudalismus, der Zentralisierung des Staates und seiner Annäherung an europäische christliche Länder (wie Byzanz, Bulgarien, Tschechien, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Georgien und Armenien) bei. Daraus ergaben sich neben dynastischen Ehen, auch positive Einflüsse auf die Entwicklung von Kultur, Bildung und Wissenschaft.
In die Kultur der Kiewer Rus, deren Ursprünge aus der traditionellen Kultur der slawischen Stämme entstammten und die mit der fortschreitenden Entwicklung des Staates zu einem hohen Niveau gelangte, gingen später zunehmend bereichernde kulturelle Einflüsse aus der byzantinischen Kultur ein. Besonders aus Bulgarien und Byzanz kamen nach Russland antike und frühmittelalterliche Handschriften. Die slawische Sprache und Schrift wurde in die Obhut der Mönche gegeben, den in der damaligen Zeit am meisten gebildeten Menschen. Aus dieser Zeit haben viele Pergamente und Bücher bis heute überdauert.

Im Jahre 1037 wurde von Fürst Jaroslaw dem Weisen (1019-1054) die erste Bibliothek im alten russischen Staat gegründet. Unter seiner Herrschaft kam es in Russland ebenfalls zu einer verstärkten Alphabetisierung. Er ließ Bücher kopieren und in die slawische Sprache übersetzen. Auch kam es zur Neugründung von Klosterschulen, darunter im Jahre 1086 die erste Klosterschule für Frauen.
Die Kiewer Macht erlangte unter Jaroslaw dem Weisen eine breite internationale Anerkennung.

Dieser alte russische Staat bestand über drei Jahrhunderte. Nach dem Tod des letzten Großfürsten von Kiew Mstislaw Wladimirowitsch (1125-1132), Sohn von Wladimir Monomach, zerbrach er in mehrere unabhängige Fürstentümer. Damit begann eine Zeit feudaler Zersplitterung, die während der Invasion durch tataro-mongolische Horden (1237-1242) unter dem Kommando von Batu Khan (1208-1255), Enkel des Dschingis Khan, zum Verlust der politischen Unabhängigkeit der russischen Länder beitrug und bis in das 15. Jahrhundert zu einer andauernden Abhängigkeit der russischen Länder vom turko-mongolischen Reich der Goldenen Horde (gegründet 1242) führte.